Why Golf is Life and Life is Golf

Why Golf is Lifeand Life is Golf

Warum Golf mehr ist als ein Spiel

Buchcover: Why Golf is Life and Life is Golf, gemalte Grasfläche mit kleinem Golfer im roten Shirt

Coverillustration: Julia Maurer

Das Buch

Eine Runde. 18 Löcher.

Mit 27 die Platzreife. Ein paar Monate später die Schläger im Keller, für dreizehn Jahre. Dann, eines Morgens um acht, wieder der erste Abschlag.

Eine einzige Runde, 18 Löcher, und ein Begleiter namens Thomas, der selbst nicht spielt, lieber läuft und Golf für einen Sport für Rentner hält. Zwischen Bunker und Wasserhindernis, beleidigt verschobenen Putts und einem unverhofften Birdie zeigt sich, wie viel dieses Spiel über das Leben verrät: über Verluste, die sich nicht rückgängig machen lassen, über Ehrgeiz und Geduld, über Ehrlichkeit, wenn niemand hinsieht, und darüber, warum man nach der schlechtesten Runde am nächsten Tag trotzdem wieder spielen will.

Persönlich, trocken, selbstironisch und gestützt auf überraschende Befunde aus Psychologie und Golfforschung. Ein Buch für Golfer und für alle, die nie einen Schläger in der Hand hatten.

2 Pkt.Prozentpunkte weniger gelochte Birdie- als gleich lange Par-Putts, selbst bei PGA-Profis.
5,3von 10 Putts gelocht mit einem angeblichen Profi-Putter. Ohne die Geschichte: 3,85.
14Schläger sind erlaubt. Gespielt werden meist dieselben drei.

Scorekarte

18 Löcher, 18 Kapitel

Jedes Kapitel ist ein Loch derselben Runde, und jedes Loch stellt eine Frage, die man auch abseits des Platzes kennt.

LochKapitelDie Frage dahinter

Aus den Kapitelmottos

“Golf is so popular simply because it is the best game in the world at which to be bad.”
A. A. Milne · Loch 1
“It satisfies the soul and frustrates the intellect.”
Arnold Palmer · Das neunzehnte Loch
“Keep playing or you’ll get old.”
Harvey Penick · Loch 18

Leseprobe

Loch 1: Der erste Abschlag

“Golf is so popular simply because it is the best game in the world at which to be bad.”A. A. Milne, Not That It Matters (1919)

Der erste Abschlag

Es gibt Momente auf dem Golfplatz, die objektiv betrachtet ziemlich harmlos aussehen. Der erste Abschlag gehört dazu. Ein kleiner Ball liegt auf einem kleinen Tee. Man hat einen Schläger in der Hand, steht auf kurz gemähtem Rasen und soll nun etwas tun, das man im besten Fall schon viele Male geübt hat. So weit die Theorie. In der Praxis fühlt sich dieser Moment gelegentlich an, als müsse jetzt nicht nur ein Ball geschlagen, sondern gleich mitbewiesen werden, dass die Entscheidung, irgendwann einmal mit Golf anzufangen, doch keine völlige Fehlinterpretation des eigenen Freizeitbedarfs war.

Gerade früh am Morgen hat der erste Abschlag etwas Besonderes. Die Luft ist kühl, das Gras noch feucht, irgendwo klackt ein Schläger im Bag, jemand schiebt einen Trolley über den Weg, am Puttinggrün wird leise gesprochen. Der Tag ist noch nicht verbraucht. Alles scheint möglich. Das ist schön. Und ein bisschen unfair. Denn kaum steht man an Tee 1, erinnert einen Golf daran, dass Möglichkeiten nur so lange angenehm unverbindlich sind, bis man tatsächlich etwas daraus machen muss.

Thomas kam an jenem Tag kurz vor meiner Abschlagszeit zur ersten Tee-Box. Ich war mir bis dahin nicht sicher gewesen, ob er wirklich auftauchen würde. Der Club war kein Hochglanzort, an dem schon auf der Range jeder aussah, als müsse gleich ein Vorstandsfoto gemacht werden. Eher ein bodenständiger Platz am Rand einer deutschen Großstadt: kurze Hose war in Ordnung, ein Polo keine religiöse Pflicht, und solange die Kleidung nicht aussah, als hätte sie bereits selbst eine Lebenskrise hinter sich, war alles gut. Gerade deshalb passte Thomas dorthin besser, als er vermutlich selbst gedacht hätte. Er kam nicht laut, nicht theatralisch, sondern mit dieser ruhigen Ausdauer-Sportler-Ausstrahlung: körperlich präsent, geistig wach, neugierig, aber noch vorsichtig. Er hatte mit Golf wenig am Hut und mit den dazugehörigen Klischees noch weniger Geduld: zu teuer, zu langsam, zu elitär, zu viele unausgesprochene Regeln, zu wenig Spontaneität. Ich konnte ihm nicht einmal mit einem Porsche auf dem Parkplatz widersprechen. Mein Auto gab für diese Debatte nichts her.

Ich hatte ihn nicht zum Spielen eingeladen, sondern zum Mitgehen. Er war in den Wochen davor still geworden. Nicht auf eine dramatische Art, nicht so, dass man sich ernsthaft Sorgen machen musste. Eher wie jemand, der sich langsam aus Gesprächen zurückzieht, ohne es selbst zu bemerken. Auf die Frage, wie es ihm gehe, hatte er zuletzt nur gesagt, er laufe gerade viel. Sehr viel. Dass er trotzdem kam, war für mich schon der erste kleine Erfolg dieses Tages.

Man freut sich auf die Runde. Vielleicht hat man sich die ganze Woche darauf gefreut. Vier Stunden draußen sein, Bewegung, Natur, Abstand zu Terminen, Nachrichten und Verpflichtungen. Dann steht man an Tee 1 und merkt: Vorfreude ist nicht dasselbe wie Ruhe. Plötzlich ist da diese kleine Nervosität. Wer spielt heute mit mir im Flight? Kenne ich die Menschen? Sind sie entspannt, ehrgeizig, gesprächig, schweigsam, besser als ich, ungeduldig? Werde ich mithalten? Werde ich mich blamieren? Thomas sah sich kurz um und sagte trocken: „Für einen Sport, bei dem sich der Ball nicht bewegt, wirkt hier erstaunlich viel angespannt.“

Manchmal ist zudem alles anders geplant gewesen. Eigentlich wollte man vor der Runde noch auf die Range. Ein paar lockere Schwünge, ein Gefühl für den Körper, ein paar Bälle mit dem Eisen, vielleicht zwei Drives zum Vertrauen. Dann war der Parkplatz voller als gedacht, der Kaffee zu heiß, das Telefonat zu lang oder die Zeit schlicht zu knapp. Also steht man dort nicht vorbereitet, wie man es gern gewesen wäre, sondern so, wie man im Leben eben oft anfängt: nicht völlig ahnungslos, aber auch nicht so souverän, wie man später gern behaupten würde. „Also wie Montagmorgen“, sagte Thomas. „Nur mit schönerer Landschaft.“

Thomas sah mich an, als hätte er gerade verstanden, dass Golf weniger mit dem Ball als mit dem Kopf zu tun haben könnte. „Denkst du an all das wirklich, bevor du schlägst?“, fragte er. Ich musste lachen, weil die ehrliche Antwort unangenehm einfach war: manchmal ja. Und meistens ist genau das das Problem. „Dann ist der erste Schlag gar nicht nur ein Schlag“, sagte Thomas. Ich wartete auf den nächsten Satz. Er kam nicht sofort. Dann: „Man merkt halt ziemlich schnell, wie viel man kontrollieren will.“ Das war nicht besonders poetisch. Aber ziemlich genau.

Dann schlug ich. Der Ball startete ordentlich, nahm aber bald diese leichte Rechtskurve, die Golfer gern „Fade“ nennen würden, sofern sie absichtlich gewesen wäre. Bei mir war es eher ein höflicher Slice. Nicht dramatisch, nicht schön, aber gnädig genug, um gerade noch im Spiel zu bleiben. Hätte besser laufen können. Hätte auch deutlich schlechter laufen können. Und genau diese mittlere Wahrheit war vielleicht der eigentliche Beginn der Runde.

Der Autor

Christoph Maurer

Christoph Maurer hat viele Jahre Handball gespielt, bevor er mit Ende zwanzig zum Golf kam und es dann dreizehn Jahre im Keller liegen ließ. Heute spielt er wieder, mit Ehrgeiz, wechselndem Erfolg und dem Vorsatz, irgendwann unter 90 zu bleiben.

Er ist weder Psychologe noch Golfprofi und schreibt als Beobachter: verheiratet, Vater von zwei Kindern und auf dem Platz ungefähr dort, wo ein Handicap von 30 einen hinstellt.

Erscheint 2026

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